Stellungnahme „Gotteskrieger“


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Stellungnahme zu der Unterstellung, das Islamische Zentrum Wien sei eine Rekrutierungstelle für „Gotteskrieger“.

Wir, das Islamische Zentrum Wien, sind eine Institution, die schon seit 1979 in Wien existiert und es sich zur Aufgabe gemacht hat, eine Brücke zwischen den verschiedenen Kulturen und Religionen in Österreich zu bauen. Eine Institution, die stets verantwortungsbewusst mit allen Instanzen und Behörden des österreichischen Staates zusammenarbeitet, sich als Teil der österreichischen Gesellschaft versteht und deren übergeordnetes Ziel es ist, sich für das Wohl aller Menschen– ob Muslim oder nicht - einzusetzen. Gleichzeitig schätzen und respektieren wir jede Anstrengung und Arbeit, die im Dienste der Menschen und BürgerInnen dieser Gesellschaft steht. Wir sind der Meinung, dass alle Institutionen dieses Landes geschlossen und verantwortungsvoll agieren und sich so für eine bessere Zukunft und ein besseres Miteinander einsetzen sollten.

Wir als islamische Institution, verstehen uns unter keinen Umständen als eine Einrichtung, die sich außerhalb des Rahmens der österreichischen Gesetze bewegt. Im Gegenteil: Wir möchten unterstreichen, dass wir die Einhaltung der Gesetze des Landes, in dem wir leben auch als religiöse Verpflichtung verstehen und fest hinter dieser stehen.

In den vergangenen Wochen und Tagen wurde durch einige Zeitungsberichte der Eindruck erweckt, das Islamische Zentrum Wien sei eine Gefahrenquelle für die hiesige Gesellschaft und Rekrutierungsstelle für sogenannte „Gotteskrieger“. Die Berichte zeigten unter anderem Bildmaterial aus dem Internet, das Jugendliche mit Symbolen der IS(IS)vor unserer Moschee zeigen. Wir möchten darauf hinweisen, dass sich die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich als offizielle Vertretung der Muslime bereits wiederholt zu den Gewaltexzessen der IS geäußert, diese als Terrormiliz verurteilt und ihre Machtansprüche als illegitim erklärt hat. Ferner wurden am Islamischen Zentrum Wien bei zahlreichen Anlässen, vor allem aber im Rahmen der Freitagspredigten, an denen wöchentlich bis zu 3000 MuslimInnen teilnehmen, die IS und andere extremistische Gruppierungen offen scharf kritisiert. Vor allem an Jugendliche haben wir uns gewandt, mit der Warnung, sich nicht von diesen und deren Gräueltaten beeinflussen zu lassen und auch ihr Umfeld zu einem vorsichtigen Umgang mit im Internet verbreiteten Informationen aufzurufen. Die Behauptungen, das Islamische Zentrum Wien hätte in irgendeiner Weise mit der Rekrutierung muslimischer Jugendlichen für den Kampf zu tun, weisen wir daher auf das Schärfste zurück! Wir versichern, dass wir selbst die Behörden einschalten würden, würde irgendjemand versuchen unsere Einrichtung für solche Zwecke zu missbrauchen. Symbole extremistischer Gruppen sowie Propaganda jeglicher Form sind in unserer Moschee untersagt. Jegliches Infomaterial, das bei uns ausgelegt wird, wird von uns eindringlich auf seine Inhalte geprüft.

Wir sind der Meinung, dass der erste Schritt im Falle eines Missverständnisses jeglicher Art sein sollte, sein Gegenüber zu konsultieren und die Situation aufzuklären - und zwar im Sinne eines friedlichen Miteinanders und des Wohls unserer Gesellschaft. Die Medien haben die Aufgabe, verantwortungsvolle Berichterstattung zu führen und so einer unbegründeten Verunsicherung innerhalb Bevölkerung oder gar Angst vor Muslimen und dem Islam vorzubeugen. Leider führte diese bereits zu mehreren Übergriffen auf Moscheen und Muslime in Österreich und Deutschland. Wöchentlich ertragen wir still Emails, die uns und unseren Glauben aufs Übelste beschimpfen und diskreditieren.

Wir möchten daher die Medien und andere Multiplikatoren dazu aufrufen, uns in solchen Situationen direkt zu kontaktieren und um Stellungnahme anzusuchen, damit unsere Institution, die stets um ein friedliches Miteinander bemüht ist, in der Öffentlichkeit nicht in ein falsches Licht gerückt wird.