Anstandsregeln im Islam


Der Islam umfasst einige Verhaltensregeln und spornt die Menschen dazu an, sie zu beachten, um ihre Persönlichkeit zu vervollkommnen.  Sie beziehen sich auf alltägliche Tätigkeiten wie beispielsweise die Begrüßung, das Sprechen, oder das Essen.

Der Prophet Muhammed, Friede und Segen auf ihm, sagte: „Der beliebteste der Diener bei Allah ist derjenige, der über die schöne Moral verfügt.“ (Bukhari) 

Anstandsregeln des Begrüßens:
Der Islam empfiehlt, den islamischen Friedensgruß unter den Menschen zu verbreiten, da dieser Liebe und Vertrauen unter ihnen aufbaut. Der Prophet, Frieden und Segen auf ihm, sagte: „Bei Dem, in Dessen Hand meine Seele ist, ihr werdet nicht eher ins Paradies eingehen können, bis ihr gläubig werdet, und ihr werdet nicht gläubig, bis ihr euch liebt. Soll ich euch auf etwas hinweisen, das euch einander lieben lässt, wenn ihr es tut? Breitet den Gruß des Friedens unter euch aus.“ (Abu Dawud)

„Wenn ihr mit einem Gruß begrüßt werdet, dann grüßt mit einem noch schöneren Gruß, oder erwidert ihn.“ (Koran 4:86)

„Der Reitende grüßt den Gehenden, der Gehende den Sitzenden und die kleine Gruppe die größere.“ (Bukhari)

Anstandsregeln beim Sprechen: 
Während eine andere Person spricht, soll ihr zugehört und sie nicht unterbrochen werden, bis sie ausgesprochen hat. Der Prophet, Friede und Segen auf ihm, sagte einem seiner Gefährten am Tage der Abschiedswallfahrt: „Sag den Menschen, sie sollen zuhören.“ (Al-Tirmidhi)

Der Sprecher soll klare Worte finden. Die Frau des Propheten, möge Allah mit ihr zufrieden sein, sagte über dessen Sprechweise: „Seine Worte waren so klar, damit sie jeder, der sie hörte, verstehen konnte.“ (Abu Dawud) 

Weiters soll man den Menschen beim Sprechen ein freundliches Gesicht schenken. Der Prophet, Friede und Segen auf ihm, sagte: „Verachte nichts von den guten Taten, selbst wenn es nur darum geht, dass du deinen Bruder mit einem freundlichen Gesicht triffst.“ (Muslim)

Und er sagte: „Das gute Wort ist auch wie Almosengabe.“ (Bukhari) 

Anstandsregeln beim Scherzen: 
Der Prophet Muhammed, Frieden und Segen auf ihm, brachte seinen Gefährten bei, dass der erlaubte Spaß und die unschädliche Aufheiterung wichtig dafür seien, die Vitalität der Seele zu erfrischen. Dennoch muss man sich beim Scherzen an das prophetische Motto halten, stets die Wahrheit zu sagen: Seine Gefährten fragten ihn: „O Gesandter Allahs, du spaßt mit uns.“ Er sagte: „Ja, aber ich sage trotzdem nur Wahrheit.“ (Al-Tirmidhi)

Er sagte: „Wehe dem, der lügt, damit die Leute lachen. Wehe ihm. Wehe ihm.“ (Abu Dawud)

Ein Scherz darf nichts enthalten, das dem Menschen schadet oder ihn kränkt. Der Prophet, Friede und Segen auf ihm, sagte: „Der Muslim darf einen anderen Muslim nicht abschrecken.“ (Musnad Ahmed)

Anstandsregeln beim Essen: 
Bevor der Mensch mit dem Essen beginnt, sagt er: „Bismillahirrahmanirrahim“ (Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers).

Nach dem Essen spricht er „Alhamdulillah“ (Gott sei Dank). 

Er isst mit der rechten Hand von dem Teller, der am nächsten zu ihm steht. 

Essen, das einem angeboten wird, darf niemals gerügt werden, egal wie es schmeckt. Abu Huraira, möge Allah zufrieden mit ihm sein, berichtete, dass „der Gesandte Allahs niemals ein Essen rügte. Wenn ihm das Essen schmeckte, so aß er davon, wenn es ihm nicht schmeckte, so ließ er es stehen.“ (Bukhari) 

Beim Essen oder Trinken soll man außerdem nicht übertreiben, sondern nur so viel konsumieren, wie der Körper braucht: „Und esst und trinkt, aber seid nicht maßlos. Er (Allah) liebt ja die Maßlosen nicht.“ (Koran 7:31)

In Bezug auf die gesunde Ernährung sagte der Prophet, Friede und Segen auf ihm: „Es gibt kein Gefäß, das, wenn der Mensch es füllt, schlimmer ist, als sein Magen. Vom Essen genügt dem Menschen das, was ihn aufrecht hält. Wenn er unbedingt mehr essen will, so muss er den Umfang in drei Portionen teilen: Ein Drittel für das Essen, ein Drittel für das Trinken und ein Drittel für das Atmen.“ (Ibn Hibban)

Anstandsregeln auf der Straße: 
Der Prophet, Friede und Segen auf ihm, sagte einigen Leuten: „Seid gewarnt vor dem Sitzen auf der Straße!“ Sie sagten: „O Gesandter Allahs, das sind unsere Sitzungen, sie wir unbedingt brauchen, um über unsere Angelegenheiten zu sprechen.“ Er antwortete: „Wenn es unbedingt sein muss, so gebt der Straße ihr Recht!“ Sie fragten: „Was ist das Recht der Straße?“ Er erwiderte: „Den Blick (vor den PassantInnen) zu senken, Beschädigungen der Menschen zu unterlassen, den Friedensgruß erwidern, das Rechte zu gebieten und das Verwerfliche zu verbieten.“ In einer anderen Überlieferung fügte er außerdem hinzu: „dem Besorgten zu helfen und den Irregehenden zu führen.“ (Abu Dawud)

Man muss auch Rücksicht auf das Wohl und die Ruhe anderer Menschen nehmen. Der Prophet, Friede und Segen auf ihm, sagte: „Fürchtet die Fluchgründe!“ Man fragte: „Was sind diese?“ Er antwortete: „Wer auf der Straße der Menschen oder im Schatten, in dem sie sich vor der Hitze schützen, den Darm entleert.“ (Muslim) 

Anstandsregeln beim Kauf und Verkauf: 
Handel ist prinzipiell erlaubt, weil er auf dem gegenseitigen Nutzen des Käufers und Verkäufers basiert. Niemals sollte dem Geschäftspartner dabei aber Schaden zugefügt werden. „O ihr, die ihr glaubt, verzehrt nicht untereinander euer Vermögen durch Betrug.“ (Koran 4:29) 

Der Prophet, Friede und Segen auf ihm, wurde gefragt: „Was ist der beste Gewinn?“. Er antwortete: „Der beste Gewinn ist der Gewinn, den man sich durch eigene Handarbeit oder durch einen segenreichen Handel einbringt.“ (Mustadrak) 

Der Verkäufer muss auf Mängel an der Ware, so es welche gibt, hinweisen, denn es heißt: „Kein Mensch darf etwas verkaufen, ohne dass er seine Fehler zeigt und es ist keinem erlaubt, der von diesen Fehlern weiß, sie zu verschweigen.“ (Musnad Ahmed)

Beim Kauf und Verkauf soll der Muslim großzügig sein: Der Prophet, Friede und Segen auf ihm, sagte: „Möge Allah sich demjenigen erbarmen, der großmütig kauft, großmütig verkauft und großmütig seine Sachen fordert.“ (Bukhari)

Anstandsregeln beim Schlafen: 
Wenn man sich zum Schlafen niederlegt, sagt man: „Bismillahirrahmanirrahim“ (Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers) und dreht sich auf die rechte Seite.

Hudhaifa, möge Allah mit ihm zufrieden sein, berichtete: „Der Prophet pflegte, wenn er des Nachts zum Schlafen fing, seine Hand unter seiner rechten Wange zu falten und zu Sagen: ‚Oh Allah, in Deinem Namen sterbe ich und in Deinem Namen lebe ich’ und wenn er aufstand, sagt er: ‚Allah sei Lob, Der uns nach dem Tod erweckt und zu Ihm führt die Auferstehung!’“ (Bukhari) 

Außerdem berichtete Abu Huraira, möge Allah mit ihm zufrieden sein: „Der Prophet ging an einem Mann vorbei, der auf dem Bauch schlief. Er betastete ihn mit seinem Fuß und sagte: ‚Das ist eine Schlafhaltung, die Allah nicht mag.’“ (Ibn Hibban) 

Man soll sich bemühen, früh ins Bett zu gehen. Vom Propheten, Friede und Segen auf ihm, wird überliefert, dass „er das Schlafen vor dem Abendgebet und das Reden danach verachtete.“ (Bukhari)